FSV OPTIK RATHENOW

Brandenburgischer Landespokalsieger 2013, 2014. Oberligameister 2015, 2018

REGIONALLIGA

ABSCHIED MIT WEHENDEN FAHNEN

Mit einem 4:1-Erfolg gegen den FC Carl Zeiss Jena feierte der FSV Optik Rathenow am Samstag einen denkwürdigen Abschied aus der Regionalliga.

Ganz kurz nur riss Mario Schmeling nach dem Schlusspfiff die Arme hoch. Ein paar Sekunden Freude, dann setzte sich die bittere Erkenntniss durch, dass das Abenteuer Regionalliga, Rathenows "Champions League", nach zwei Jahren an dieser Stelle enden würde. Und schließlich musste Optiks Vorsitzender und Interimstrainer sogar "ein paar Tränen unterdrücken", wie er später zugab.

Währenddessen rieben sich die meisten Zuschauer immer noch verwundert die Augen. War das auf dem Feld gerade dieselbe Mannschaft, die in den letzen acht Monaten nur einen einzigen Heimsieg zustande gebracht hatte? Die Mannschaft, die gerade den Tabellendritten aus Jena locker und spielerisch überzeugend mit 4:1 nach Hause geschickt hat?

Zumindest waren es dieselben Spieler wie in den Wochen zuvor. Lediglich der leicht angeschlagene Damir Coric und Leon Hellwig, der für das Pokalfinale am Mittwoch zunächst geschont wurde, blieben draußen. Dafür kamen Jakob Regulski und erstmals auch wieder Pelle Klötzing zum Zuge. Beide machten ihre Sache ordentlich und Klötzing bekam für seinen ersten Startelf-Einsatz nach mehreren Wochen Zwangspause auch gleich ein Extralob.

Das verdienten sich an diesem Tag aber durch die Bank weg alle Spieler. Besonders die Offensivabteilung wirbelte Jenas Defensive mehrmals gehörig durcheinander. Nach den ersten 15 eher ereignislosen Minuten, die schlimmen Spätsommerfußball befürchten ließen, erspielte sich Optik plötzlich Chancen im Minutentakt. Kapan, Cankaya, Uslucan und Ismaili kombinierten sich nach Belieben durch die Abwehr, scheiterten aber entweder am Außennetz, an Torhüter Timo Berbig oder am Pfosten.

Der Knoten sollte erst nach dem Seitenwechsel platzen. Sechs Minuten nach Wiederanpfiff versenkte Kapan einen flachen Freistoß von Cankaya aus Nahdistanz zum hochverdienten und überfälligen 1:0. Kurz darauf krönte Cankaya eine ganz starke Leistung mit dem 2:0 als er nach einem von Berbig abgewehrten Kapan-Schuss zur Stelle war. Echte Torjägerqualitäten bewies kurz darauf auch Grüneberg, der nur zwei Minuten nach seiner Einwechslung nach Doppelpass mit Uslucan zum 3:0 traf.

Jena enttäuschte bis zu diesem Zeitpunkt auf ganzer Linie. Fast schien es, als hätte sich das Team dem Boykott ihrer 200 Mann starken Anhängerschaft, die mit konsequenter Inaktivität gegen den Einstieg eines belgischen Großinvestors protestierte, angeschlossen. Erst in der letzten Viertelstunde wurden die Thüringer halbwegs gleichwertig und kamen nach 77 Minuten zu ihrer ersten richtig dicken Gelegenheit, als Milchraum an Begzadic scheiterte.

Eine nicht ganz so glückliche Figur machte Optiks ansonsten sicherer Schlussmann, als er sich vier Minuten später bei einem langen Ball verschätzte und Milchraum unbedrängt zum 3:1-Anschlusstreffer einköpfen konnte. Den Schlusspunkt setzte fünf Minuten vor dem Abpfiff Sebastian Huke, der nach Vorlage von Grüneberg zum 4:1-Endstand traf.

Trotz aller Enttäuschung über den feststehenden Abstieg - die Mannschaft kann sich und den Optik-Fans noch einen halbwegs versöhnlichen Saisonabschluss bescheren: Mit dem Pokalfinale am kommenden Mittwoch gegen den SV Babelsberg steht noch einmal ein echtes Highlight an. Die Generalprobe ist zumindest schonmal geglückt... (Nico Roesenberger)

Lothar Kurbjuweit: "Ich gratuliere den Rathenowern zu einem hochverdienten Sieg. Wir sind heute auf ein Niveau zurückgefallen, von dem ich glaubte, dass wir es überwunden haben. Vielleicht war der größte Unterschied heute, dass bei Optik noch Spannung drin ist und wir unseren Höhepunkt schon hinter uns haben. Trotzdem dürfen wir uns so nicht präsentieren. Unser Auftritt heute war bedauerlich und mir tun unsere Fans leid, die hier mehrere Stunden angereist sind. "

Mario Schmeling: "Ich hoffe das war nicht für allzu lange Zeit unser letztes Regionalligaspiel. Die Mannschaft hat heute wirklich Moral bewiesen. Wir haben jetzt am Mittwoch natürlich noch ein richtig großes Spiel vor der Brust und dementsprechend hat die Mannschaft hier richtig Gas gegeben. Ich denke, wir haben das Spiel hochverdient gewonnen. Der Sieg war im Hiblick auf das Finale wichtig, damit auch unsere Zuschauer sehen, dass wir zu Hause noch gewinnen können. Denn eigentlich haben wir ja die Liga in den letzten Wochen hier zu Hause verloren. Und deswegen ist das heute für uns trotz des Sieges ein sehr trauriger Tag, an dem ich nach dem Abpfiff auch ein paar Tränen unterdrücken musste. Die Regionalliga war unsere kleine Champions League und es es ist schade, dass wir sie so leicht preisgegeben haben. Ein Dankeschön an alle, die uns auch in diesem Jahr unterstützt haben. Wir werden alles versuchen, um vielleicht bald wieder in die Regionalliga zurückzukehren."

Tore:
1:0 Kapan (51.)
2:0 Cankaya (63.)
3:0 Grüneberg (67.)
3:1 Milchraum (81.)
4:1 Huke (85.)

Optik: Begzadic - Klötzing, Delvalle, Cetin, Wilcke - Leroy (46. Hellwig), Regulski - Uslucan, Cankaya (75. Huke), Ismaili (65. Grüneberg) - Kapan