GUTE LEISTUNG NICHT BELOHNT
Sportlich herrschte im Vorfeld dagegen wenig Optimismus. Matt-Brahan Zie und Marcito Vicente fielen verletzt ganz aus, Salomao Nafilo und Jonas Borkowski hatten unter der Woche kaum trainiert.
Und so war die bei herrlichem Fußballwetter ansprechende Kulisse von gut 300 Zuschauern angenehm überrascht, wie couragiert Rathenow von Beginn an auftrat. Als Moritz Rosenberg Rostocks ersten Abschluss über das Tor setzte, war Optik bereits dreimal gefährlich vor dem Hansa-Gehäuse aufgetaucht. Nach acht Minuten wuselte sich Kalilou Camara durch die gesamte Defensive. Kurz vor dem Strafraum wurde er zu Fall gebracht, doch erstaunlicherweise ertönte der Pfiff für die Gäste.
Konnte das noch unter "fragwürdig" verbucht werden, löste die Entscheidung aus der 17. Minute komplettes Entsetzen aus. Fiete Bock setzte sich auf der rechten Seite gegen Justin Gerlach durch. Seine Hereingabe musste Randy Dei nur noch zum 0:1 über die Linie drücken. Doch jeder im weiten Rund hatte gesehen, dass Bock sich den Ball mit der Hand vorgelegt hatte. Wirklich jeder! Denn Schiedsrichter Luis Riedel gab nach Spielende unumwunden zu, die Szene sehr wohl wahrgenommen zu haben. Aus "regeltechnischen Gründen" hätte er sie aber nicht abpfeifen dürfen. Alles weitere überlassen wir der Phantasie des Lesers.
Optik, sowieso schon ordentlich kämpfend, legte mit Wut im Bauch noch eine Schippe drauf. Selbst suchte man den Weg zum Tor, die Norddeutschen konterten, so ergab sich eine äußerst unterhaltsame und gutklassige Partie. Simeon Hawwary hielt gegen Julian Hahnel, Kalilou Camara verzog nach tollem Solo knapp, Hawwary parierte gegen Matheo Venohr, Max Hagemoser fischte einen Freistoß von Justin Gerlach aus dem Winkel - die Zeit bis zum Pausenpfiff ließ kaum Zeit zum Durchatmen. Das gab es lange nicht, nach 45 Minuten wurde Rathenow trotz Rückstand mit Beifall in die Kabine verabschiedet.
Hansa wollte nach drei Wechseln die schnelle Entscheidung. Da jedoch Optik seinerseits die Angriffsbemühungen nochmals intensivierte, musste die Profireserve hinten Schwerstarbeit verrichten und auf Konter lauern. Bei einem solchen traf Randy Dei Simeon Hawwary im Gesicht. Unabsichtlich natürlich, wie es überhaupt bei aller Rasanz fast immer fair blieb, nach den wenigen Fouls stets eine Entschuldigung folgte. Für Simeon ging es weiter, doch zunächst half ihm der Pfosten. Claas Leon Zamzow war der Absender des Schusses. Gleich darauf noch eine unorthodoxe Fußabwehr des FSV-Kepers gegen Raul Celotto - und das war`s.
Nach 60 Minuten kamen die jungen Hanseaten zu keiner Entlastung mehr. Optik schnürte den Gegner regelrecht ein. Das spürte auch der Anhang, lautstark wie lange nicht mehr war die Anfeuerung. Der Ausgleich lag sinnbildlich in der Luft und wörtlich unter der Sohle von Tristan Wagner. Der stieg nämlich Jamal Rogero bei dessen Schussversuch auf den Fuß. Und das kurz hinter der Strafraumlinie, also Foulelfmeter. Jamal trat selbst an und verwandelte zum 1:1.
Leider hatte die Aufholjagd viel, viel Kraft gekostet. So bekamen die Gäste nchmal Oberwasser. Niemand bekam Zamzow bei dessen Solo gestoppt, Tristan Wagner hatte anschließend leichtes Spiel, zum 1:2 einzuschießen. Das 1:3 reultierte aus einem mustergültig vorgetragenen Konter, den Antek Wrebiakowski abschloss.
Selbst jetzt gab Rathenow nicht auf. Nach einem ganz schnell ausgeführten Freistoß am eigenen Strafraum sah Jamal Rogero, dass Max Hagemoser weit vor seinem Kasten stand. Aus gut 40 Metern lupfte er den Ball über den Torhüter, leider um wenige Zentimeter am Gehäuse vorbei.
Vorbei war anschließend auch das Spiel. Und da hatte diesmal viel gestimmt, nur das entscheidende, das Ergebnis, nicht. Statt Pfiffen und Enttäuschung kam von den Rängen aber Aufmunterung und Applaus. Die Fans hatten gespürt, hier stand ein Team auf dem Platz, das an sich und den Klassenerhalt glaubt und alles dafür gibt.
Ingo Kahlisch: "Für eine unserer besten Saisonleistungen wurden wir leider nicht belohnt. Den jungen Schieri fand ich sonst ganz ordentlich, aber das er das 0:1 aus, wie er sagte, `regeltechnischen Gründen`nicht abpfeift, war letztlich leider zumindest mitentscheidend."
RATHENOW: Hawwary – Hinze, Bateman (G), Gerlach, Donner (G) – Xhaka (81. Zghal), Solak (74. El-Ahmar) – Camara (G/74. Borkowski), Aktürk (74. El-Abal), Alisaleha (81. Nafilo) – Rogero
ROSTOCK: Hagemoser - Bera (60. Wagner), Kozelnik, Rüh, Bauer - Venohr (46. Zamzow), Hahnel, Rosenberg (46. Celotto) - Bock (73. Wrebiakowski), Dei, Stoldt (46. Labenz)
TORE:
0:1 Dei (17.)
1:1 Rogero (73./FE)
1:2 Wagner (83.)
1:3 Wrebiakowski (85.)