INTERVIEW MIT DEM TRAINERTEAM
Ich denke nach zwei schweren Jahren können wir mit Optik wieder hoffnungsvoller in die Zukunft blicken. Denn obwohl unser Kapitän schwer verletzt fehlt, haben wir bewiesen, dass wir in der Oberliga bestehen und Punkte sammeln können. Da hoffe ich natürlich für die Zukunft, dass wir uns weiterentwickeln und dass wir auch in der Lage sind, die Jungs zu halten.
Haben der Tabellenplatz und die Ergebnisse deine Erwartungen erfüllt?
Naja, meine Erwartungen waren eigentlich geringer, weil man natürlich immer nicht weiß, was man für Spielermaterial hat. Und wenn denn noch der verlängerte Arm des Trainers für neun Monate ausfällt, hat man schön sehr viele schlaflose Nächte.
Wenn du einen Vergleich ziehst zur letzten Saison zu dem Zeitpunkt. Sind wir jetzt was Mentalität oder Qualität angeht, weiter als letztes Jahr?
Ja. Wir sind mit der gesamten Mannschaft weiter. Es gibt natürlich auch keine Oberliga-Mannschaft, die so viele junge Spieler in den eigenen Reihen hat wie wir. Anfangs ist es wie ein Hühnerhaufen, aber dann begreifen sie wie wir erfolgreich Fußball spielen können.
Die Randbedingungen sind in Rathenow für leistungsorientierten Amateur-Fußball immer herausfordernd gewesen, was für Außenstehende vielleicht nicht immer verständlich ist. Dennoch gelingt es, dass wir jährlich in der Winterpause ins Trainingslager fahren können. Wie ist das möglich?
Das ist ganz einfach zu erklären: Durch viel Engagement und durch private Spenden von Unterstützern, so dass wir das Trainingslager immer wieder außerhalb des Etats finanzieren können. Und gilt natürlich der Dank an allen Unterstützern.
Wir befinden uns hier in der Türkei in einem Sporthotel in Manavgat. Wie beurteilst du die Bedingungen hier vor Ort, was wollen wir mit dem Trainingslager erreichen und warum ist es essentiell für uns?
Na gut, eins muss ich mal sagen: Wer sich für den Sport interessiert, weiß was ich mit einem Trainingslager erreichen will. Wenn ich 13-14 Trainingseinheiten habe, perfekte Rasenplätze habe oder wenn ich in Rathenow im dunkeln auf dem Kunstrasenplatz stehe, der schon 15 Jahre alt ist, kann man das nicht vergleichen. Und ich denke, mittlerweile hat es die Bundesliga nicht besser als wir hier. Wir sind in einem sehr gastfreundlichem Land, in einem sehr gastfreundlichem Hotel, wir haben einen super Reiseleiter und mehr gibt es dazu nicht zu sagen.
Beim letzten Spiel gegen Babelsberg haben wir mit Finn Hintze, Hachim Abal und Kalilou Andy Camara drei Neuzugänge vorgestellt. Kannst du kurz beschreiben, welche Stärken die drei haben und wie sie uns weiterhelfen können?
Kalilou kann uns als Stürmer natürlich zuerst mal helfen, in dem er die Dinger einbombt. Mittelfeldspieler Hachim war schon im November beim Probetraining. Der Mann hat eine riesen Einstellung und einen unheimlichen Speed. Er ist noch sehr jung und er wollte unbedingt zu uns. Er ist ein Perspektivspieler und deshalb haben wir ihn genommen. Finn ist Berliner Junge, der von Eilenburg kam. Er ist sehr konzentriert und fackelt nicht lange. Nur wenn man einen ausgeglichen Kader hat, wird man am Ende gut dastehen.
Ende Februar startet, wenn das Wetter mitspielt, die Rückrunde zur Oberliga. Wir starten zunächst auswärts in Lichtenberg, zu Hause gegen Schwerin und auswärts bei Tasmania. Wie ist die Zielsetzung für die ersten Spiele und was geht noch in dieser Saison?
Herr Kahlisch guckt immer von Woche zu Woche. Ich muss ehrlich sagen, was mir immer noch schwer im Bauch liegt, ist das Pokalspiel gegen Krieschow. Das wäre für uns eine große Chance gewesen, Richtung Halbfinale zu ziehen und gegen Luckenwalde hätten wir zu Hause auch eine 50/50-Chance gehabt.
So geht es in der Rückrunde nur darum, dass wir sicher die Oberliga halten und dass die Mannschaft sich entwickelt. Und da muss man natürlich von Woche zu Woche gucken und schauen, wer ist verletzt. Ich persönlich möchte immer gewinnen, auch wenn es sehr schwer war in den letzten Jahren für alle, die zu Optik stehen.
Perspektivisch über die Saison hinweg, was wäre nochmal deine persönliche Zielsetzung mit dem Verein?
Ja, ich denke wir müssen alle nochmal wach werden. Dieses regionale Sponsoring müsste verbessert werden. Wen ich mir die Landkarte angucke, wer spielt denn im Land Brandenburg mittlerweile noch leistungsorientierten Amateur-Fußball? Und man muss das immer wieder deutlich so sagen: Bei uns wohnen 25.000 Einwohner, in Premnitz nochmal 8.000. Wenn wir gegen Lichtenberg 47 spielen, da wohnen 300.000 Menschen, bei Tasmania in Neukölln 450.000 und in Rostock knapp 300.000. Ob man es nun hören will oder nicht, der FSV Optik ist schon das Aushängeschild der Region. Viele haben das begriffen, doch ich denke, auf dem Gebiet könnten viele Sachen noch besser werden. Aber ich weiß, wenn man öffentlich Kritik übt, wird man wieder angepisst.
Hallo Jerome. Der 06.10.2024 war wohl eines der einschneidendsten Erlebnisse deiner Karriere. Du warst schon öfter mal verletzt, aber noch nie so. Wie geht’s dir gegenwärtig?
Für die aktuelle Situation geht es mir eigentlich ganz gut. Der Arzt hat mir bestätigt, dass der Heilungsprozess gut läuft. Und ich hoffe, dass es weiterhin so vorangeht.
Du bist immerhin schon ohne Gehhilfen unterwegs und bist selbstverständlich mit ins Trainingslager gereist. Da du schon einige davon auf dem Buckel hast, wie erlebt man so eine Reise aus Spielersicht und warum ist das Trainingslager so wichtig für uns?
Das ist das erste Trainingslager, das ich aus einer ganz anderen Sicht sehe. Ich bin das erste Mal dabei und habe keine Fußballschuhe dabei, was echt bitter ist. Wenn man die Jungs trainieren sieht und die geilen Plätze - das wär genau meins. Grundsätzlich ist das immer einer sehr gute Sache für uns als Mannschaft, um sich auch besser kennenzulernen. Jeden Tag verbringen wir hier Zeit miteinander. Wir gehen immer zusammen zu den Mahlzeiten, junge Spieler unterhalten sich mit alten und neue mit den erfahrenen. Für das Gruppengefüge ist das sehr wichtig. Und es ist jedes Jahr aufs Neue so, dass das sehr wichtig ist. Wenn man sich besser kennenlernt, nimmt man das auch mit auf den Platz.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist natürlich das Training, um so eine gewisse Grundfitness reinzubekommen. Sportlich wie auch zwischenmenschlich ist das Trainingslager sehr wichtig. Die Bedingungen sind top, die Temperaturen weitaus besser als zu Hause und selbst bei einem Regentag kann man mit Fitness oder Aqua-Gymnastik trainieren. Hier in der Türkei ist das auch kein Vergleich mit Spanien, wo wir früher trainiert haben. Hier haben wir absolut professionelle Bedingungen. Wir wohnen hier im Hotel mit zahlreichen internationalen Mannschaften, Profis wie Amateure. Das ist für die Spieler interessant zu sehen, sich mal auszutauschen oder sogar gegeneinander zu spielen.
Jetzt kannst du die Mannschaft gerade nicht aktiv auf dem Platz unterstützen. Du hast 450 Spiele für uns absolviert und wirst natürlich schmerzlich als erfahrene Kraft im Spiel vermisst. Dennoch hast du ja trotz Verletzung eine Aufgabe als Co-Trainer. Wie sehen diese Aufgaben aus und wie kannst du der Mannschaft helfen?
Ich versuche auf jeden Fall mit der Erfahrung, die ich habe, den Jungs von der Seitenlinie bestmöglich zu helfen. Klar, im Spiel wie heute (Testspiel Dynamo Kiew), dass ich auch mal leiten darf, bin ich verbal stärker an der Seitenlinie - ansonsten beim Training. Wenn mir hier Dinge auffallen, spreche ich diese an und versuche immer nah an der Mannschaft zu bleiben. Auch wenn ich verletzt bin, halte ich den Draht zur Mannschaft und spiele da noch eine tragende Rolle.
Auch an dich die Frage, was ist die Zielsetzung und den ersten Spielen der Rückrunde? Es warten auswärts Lichtenberg 47, zu Hause Schwerin und auswärts Tasmania.
Eine punktuelle Zielsetzung wären für mich 4 Punkte plus das „Bonusspiel“ bei Lichtenberg. Man muss gucken, wo man nach dem Trainingslager steht, aber ich traue uns alles zu. Wichtig ist, gut zu starten. Pflicht ist ein Sieg gegen Schwerin und auswärts ein Punkt gegen Tasmania.
Was ist deine Zielsetzung für die Saison, sowohl mannschaftlich als auch für dich gesundheitlich?
Mannschaftlich legen wir im besten Fall einen ordentlichen Start hin und werden am Ende der Saison einstellig in der Tabelle. Möglich ist es, der Punktabstand ist sehr gering. Wir wollen jetzt den Weg weitergehen, den wir auch in der Hinrunde beendet haben. Und im Sommer ist die Zielsetzung natürlich wie immer so gut wie möglich zusammen zu bleiben, um nächstes Jahr eine bessere Ausgangsposition zu haben. Für mich persönlich hoffe ich einfach, dass ich gesund werde und wieder joggen und laufen kann. Im besten Fall würde ich gerne zurück auf den Platz zurückkommen. Aber erstmal einfach wieder gesund werden.
Hallo Sven. Wie fällt dein bisheriges Saisonfazit aus Sicht des Co-Trainers aus?
Für mich ist die Saisonhälfte ähnlich gelaufen wie letztes Jahr. Wir waren zunächst optimistischer und konnten doch zu Beginn nicht die Ergebnisse einfahren wie wir es uns vorgestellt haben. Vom Spielerpotential müssten wir mindestens in den Top 10 der Liga sein.
Für dich ist das zweite Trainingslager. Wir sind deine Eindrücke hier vor Ort und was sind Trainingsschwerpunkte? Ist ein Trainingslager überhaupt notwendig?
Für mich ich ist das Trainingslager absolut notwendig. Wir haben jetzt zwei Wochen am Vogelgesang trainiert und haben festgestellt, dass wir licht- und schneebedingt nicht das trainieren können, was in der Vorbereitung erforderlich ist. Zwar kann man 1-2 Wochen mit Lauf und Kraft überbrücken, doch irgendwann muss man auf den Rasen. Und da haben wir hier in der Türkei die perfekten Bedingungen. Wir haben hier im Januar 15-18 Grad und super Plätze.
Wenn man sich die Trainerbank betrachtet, scheinst du der ruhige, ausgeglichene Part zu sein, der aber auch sofort analysiert. Das mag in der Natur eines Fischers auf Elbe und Havel zu liegen, was du ja hauptberuflich ausübst. Oder täuscht das?
Ich bin vielleicht auch manchmal ein bisschen zu kritisch. Wenn jetzt aber drei Leute auf der Trainerbank sitzen, können nicht alle wie verrückt umherbrüllen. Darum liegt es in der Natur der Sache, dass ich mich auch ein bisschen zurücknehme. Das liegt aber auch daran, dass ich von den frei Trainern die geringste Erfahrung habe, was das Oberliga-Geschäft angeht.
Wenn man dich sieht, hast du fast immer ein Lächeln auf den Lippen oder bist für einen Spaß zu haben. Dennoch hast du als Co- und teilweise Torwart-Trainer alle Hände voll zu tun. Hinzu kommt im Ernstfall, dass du als medizinischer Betreuer aufs Feld musst. Was macht dir am meisten Spaß und was ist herausfordernd für dich?
Für mich ist das alles hier eine sehr interessante Sache und ich bin froh, dass ich die Chance bei Optik bekommen habe, mal in das Geschäft „Oberliga“ hereinzuschnuppern und einen sehr erfahrenen Cheftrainer an meiner Seite habe. Angefangen habe ich als Torwarttrainer und habe nun Stück für Stück Aufgaben dazu bekommen. Ich kann mich so weiterentwickeln und auch eigene Ideen verwirklichen.
Und auch an dich die Frage. Was ist in dieser Saison möglich für uns in der Oberliga?
Erstmal ist wichtig, dass wir eine gute Vorbereitung haben. Und die Punkte aus der Hinrunde, die gerade analysiert werden, besser machen. Ich denke, dann haben wir die Möglichkeit unter die ersten zehn in der Tabelle zu kommen.