OPTIK WIEDER ÜBERM STRICH!
Die Anspannung war nicht nur spür-, sondern auch sichtbar. Schon mehr als zwei Stunden vor dem Anpfiff drehten Joshua Bateman und Kalilou Camara unter den wachsamen Augen von Ingo Kahlisch ihre Runden auf dem Platz. Schließlich stand fest, es reicht für den Kader, aber maximal für einen Kurzeinsatz.
Gleiches galt für Marcito Vicente, während Yunus Solak (Gelbsperre) und Jonas Borkowski (krank) nicht in der Aufstellung erschienen. So rückte mit Hachim Abal der jüngste Kicker in die Innenverteidigung und machte seine Sache sehr ordentlich. Auch die mit Karim Alisaleha und Salomao Nafilo besetzten Außenbahnen gab es in dieser Konstellation bislang nicht, auch das funktionierte.
Von Beginn an lief es wie erwartet: Stürmende Gäste, leidenschaftlich verteidigende Gastgeber. Die setzten nach acht Minuten den ersten Nadelstich, als sich Salomao Nafilo durch die gesamte Abwehr wuselte und erst an Keeper Timo Habel scheiterte.
Dessen Gegenüber Simeon Hawwary hielt seine Farben mit zwei prächtigen Paraden im Spiel. Sowohl gegen Lenny Stein (Fußabwehr) als auch gegen Christian Gawe (Reflex) blieb Simeon Sieger. Eigentlich könnte es heißen "nur zwei Paraden", denn eine aufmerksame und disziplinierte Rathenower Defensive ließ viel weniger zu als erwartet.
Auf der Gegenseite noch einmal Nafilo. Sein Versuch nach einer guten halben Stunde landete sogar im Netz, allerdings ging die Abseitsfahne sofort hoch. Dass der Favorit dennoch mit einer Führung in die Pause ging, war auf Grund ihrer Kombinationssicherheit und der hohen Spielkultur sicher nicht ganz unverdient, kam aber aus Optik-Sicht sehr unglücklich zustande.
Eine Flanke prallte von Justin Gerlachs Hinterkopf zu Gawe. Dessen Volley zum 0:1 dürfte selbst in einer Zeitlupe mehr Tempo aufweisen als so manch anderer Torschuss. Beinahe hätte der BFC den Deckel draufgemacht. Oliver Maric kam im Solo nicht an Hawwary vorbei. Shpetim Xhaka hatte dann mit dem Pausenpfiff den Ausgleich auf dem Fuß, hier reagierte Habel glänzend.
In der zweiten Hälfte musste Rathenow zwangsläufig noch mehr investieren, sprich laufen. Das tat man auch und dadurch waren Chancen für den Hauptstadtclub erst einmal nicht zu notieren.
Größte Aufreger in 20 Minuten nach Wiederanpfiff waren zwei sehr deutlich übertriebene Körpereinsätze von Torjäger Pedro Vitor Cruz Magalhaes gegen Simeon Hawwary und Hachim Abal. Während Optiks Torhüter schnell wieder stand, musste Abal lange behandelt werden, gab aber schließlich grünes Licht.
Insgesamt blieb es angesichts der Bedeutung der Partie allerdings wohltuend fair, so dass der regionalligaerfahrene Referee Christopher Gaunitz mit nur einmal Gelb auskam.
Mit zunehmender Spielzeit musste der FSV die Deckung lockern und versuchen, noch eine Schippe draufzupacken. Das forderte der Mannschaft ganz viel Kraft ab. Beleg dafür: Nacheinander mussten drei Mittelfeldspieler vollkommen ausgepumpt raus.
Nun waren es die Preussen-Akteure, die konterten. Patrick Breitkreuz stand zweimal frei vor Simeon Hawwary, zweimal reagierte der Keeper stark. In der 83. Minute hatten die Optik-Fans, die wie schon in den beiden Spielen zuvor für tolle Stimmung sorgten, den Torschrei auf den Lippen. Nach Flanke von Finn Hinze landete der Kopfball von Kalilou Camara am Außennetz.
120 Sekunden später ein langer Ball auf Jamal Rogero. Keiner war mitgelaufen, allein an der Dreierkette vorbei war aussichtslos. So schoss Jamal aus der Ferne einfach mal aufs Tor. Noch abgefälscht, bekam der Ball beim Aufsetzen durch den Drall enormes Tempo und rutschte an den fangbereiten Händen von Timo Habel vorbei zum 1:1 ins Netz.
Es war der letzte Höhepunkt der Partie, denn obwohl es wegen der langen Behandlungspause für Hachim Abal fünf Zusatzminuten gab, kam der Aufstiegsaspirant zu keiner klaren Möglichkeit mehr.
Am Ende KANN das Unentschieden beiden reichen. Preussen braucht im "Endspiel" gegen Mahlsdorf nun statt eines Remis einen Sieg, um Staffelsieger zu werden. Und da Optik gegenüber den punktgleichen Staakenern die um zwölf Treffer bessere Tordifferenz aufweist, wäre mit einem Sieg in Ahrensfelde der Verbleib in der Oberliga wohl gesichert.
Pierre Seiffert: "Das Ergebnis von 1:1 ergibt für uns nächste Woche immer noch ein Endspiel. Es war fast wie erwartet. Irgendwann gelingt uns die Führung, dann musste Rathenow aufmachen. Wir hatten drei, vier Hundertprozenter, ihr einen Super-Torwart. Na klar, nach so einem Eiertor ist man enttäuscht, aber jetzt heißt es für uns, kühlen Kopf zu bewahren."
Ingo Kahlisch: „Vorher wollten wir die Sensation schaffen. Wir haben sie geschafft. Natürlich war es ein überraschender Punkt, trotzdem sind wir noch nicht durch. Wir wissen, Ahrensfelde wird nochmal schwer. Aber wir wollen für Rathenow, für die Region, die Oberliga halten. Heute dürfen wir uns alle freuen, entschieden wird es nächsten Samstag."
Jerome Leroy: "Das war 90 Minuten lang ein sehr ordentliches letztes Heimspiel. Nach hinten raus fand ich den Punktgewinn verdient, auch wenn beim Tor die Fußballgötter auf unserer Seite waren. Gegen einen spielstarken Gegner, der individuell sehr stark besetzt war, haben wir sehr gut verteidigt. Wir haben uns das Remis erarbeitet, erkämpft und hatten dann das Glück des Tüchtigen. Mit dem Punkt hat doch niemand gerechnet, ich freue mich für alle im Verein, für die Spnsoren, die Übungsleiter im Nachwuchs, die Fans. Aber es muss weitergehen, noch ist nichts gewonnen, da müssen wir die Jungs die ganze Woche warnen!"
Eine wichtige und erfreuliche Nachricht für alle, die den FSV beim letzten Auswärtsspiel unterstützen wollen: Ein Sponsor, der ungenannt bleiben will, hat die Auslagen für den Fanbus übernommen. Das bedeutet, die Mitfahrt ist für alle Optik-Anhänger kostenfrei! Noch gibt es Plätze, im Sport-Shop kann man sich ab Montag eintragen!
RATHENOW: Hawwary – Hinze, Abal, Gerlach, Donner – Aktürk, Xhaka – Alisaleha (68. Zie), Zghal (83. El-Ahmar), Nafilo (75. Camara) – Rogero
PREUSSEN: Habel – Stein, Cvjetinovic, Häußler – Dem, Frank, Maric (79. Toure), Brehmer, Gawe (90.+1 Grigoriadis) – Breitkreuz (G), Cruz Magalhaes
TORE:
0:1 Gawe (40.)
1:1 Rogero (85.)
68.
Christian Gawe (40.)