ERSTE SAISONNIEDERLAGE
Noch in keiner Partie sah man die Rathenower so hektisch und übernervös. Vielleicht auch eine Folge des äußerst aggressiven Auftretens der Gastgeber, die Optik so immer wieder zu Fehlern zwangen. Dennoch - trotz des Drucks, den der BFC aufbaute, waren die spielerischen Mittel für einen Aufstiegsanwärter recht bescheiden. Es gab auch kaum Chancen. Das galt allerdings beidseitig. Die Teams kamen nur selten zu Ballstaffetten über mehr als zwei Stationen. Außerdem dauerte jede Spielunterbrechung ziemlich lange. Ordner, Polizisten, nicht im Kader stehende Spieler und Journalisten - im großen Jahnsportpark mögen etwa 35 Augenzeugen das Match verfolgt haben, Balljungen waren nicht zugelassen.
Zu all der Tristesse, pünktlich mit dem Anpfiff setzte immer stärker werdender Nieselregen ein, passte die Entstehung des Führungstreffers. Nach einem Rathenower Ballverlust im Mittelfeld wurde Sven Marten, sehr abseitsverdächtig, steil geschickt. An Marcel Subke vorbei schob er die Kugel ins Netz. Geschockt zeigte sich Optik nicht. Nach einem endlich mal gelungenen Spielzug verfehlte Moris Fikic aus der Drehung nur ganz knapp. Wie dicht Licht und Schatten an diesem naßkalten Abend beieinander lagen machte Moris kurz darauf deutlich. Einen Freistoß ballerte er dem startenden Hakan Cankaya voll an den Rücken. Mehr gibt es aus Halbzeit eins nicht zu berichten.
Nach dem Wechsel ließ sich auch noch Marcel Subke von der allgemeinen Nervosität anstecken. Zweimal blieb es ohne Folgen, die dritte Unsicherheit brachte das 2:0. Der Torhüter kam beim Eckball raus, aber nicht ran an das Leder. Norbert Lemcke konnte so per Kopf einnetzen. Kurz darauf wechselte Rathenow. Kaum auf dem Platz hatte Ekin Gündogdu die Riesenmöglichkeit zu verkürzen. Im Konter schön freigespielt, versuchte er noch einen Haken, statt zu schießen.
"Grün, wehrt euch, Kopf hoch, weiter machen." Durch die fehlenden Zuschauer hörte man auf der Tribüne, wie Ingo Kahlisch seine Jungs nochmal anstachelte. Auch wenn er in dieser Szene mal laut wurde, gegen den neuen BFC-Coach Igor Lazic, ist er ein Chorknabe. Zurück zum Spiel: Eine Gästeelf, die sich gegen die drohende Niederlage aufbäumte, Hauptstädter, die die sich dadurch ergebenden Räume überhaupt nicht nutzten.
Noch einmal gab es einen Hundertprozenter für Ekin Gündogdu. Zwölf Meter vor dem Kasten völlig freistehend, schoss der Optikstürmer vorbei. Es gibt solche Tage, wo wirklich gar nichts klappt. Nur noch statistischen Wert hatte die Szene aus der Nachspielzeit. Der erst in der 81. Minute eingewechselte Özgür Özvatan wurde nach seiner zweiten Unsportlichkeit von Schiedsrichter Andreas Becker mit Gelb/Rot vom Platz gestellt.
Ingo Kahlisch nach dem Spiel: "Der BFC wollte den Sieg unbedingt, war vor der Pause einfach agressiver. Wir mußten sehen, dass man nur mit schönem Spiel da nicht mithält. Dazu kam, dass wir heute selbst die klarsten Gelegenheiten nicht genutzt haben. Aber die Welt geht jetzt nicht unter. Das habe ich den Jungs in der Kabine eben auch gesagt. Okay war für mich der erste Auftritt von Damir Coric, der ordentlich in die Zweikämpfe ging." (D.N.)
Tore:
1:0 Marten (17.)
2:0 Lemcke (57.)
Aufstellung: Subke - Baldes, Delvalle Silva, Scholz, Tröger - Leroy, Hellwig - Fikic, Cankaya (G / 75. Coric/G), Wilcke (61. Kalan) - Turhan (G / 61. Gündogdu)
(
75.