NERVENSCHLACHT GEWONNEN
Die ersten zwanzig Minuten konnte man getrost an Bratwurst- oder Glühweinstand verbringen. Auch der Fanartikel-Stand war dichter umlagert als sonst, die erstmals erstellten FSV-Tischkalender erwiesen sich als wahrer Renner.
Verpasst wurde von den Fans nicht viel, auf dem tiefen Platz kam das Geschehen nur schwer in Gang. Beim FSV ersetzte Abdul Karim Alisaleha den gelbgesperrten Jonas Borkowski, Ahrensfelde stellte gleich auf drei Positionen um. Aber daran lag der chancenarme Auftakt nicht, vielmehr waren die Akteure beiderseits sichtlich nervös, immerhin stand viel auf dem Spiel.
Als hätte jemand einen Schalter umgelegt, nahm die Partie plötzlich Fahrt auf. Und wie! Gästespieler Moritz Schöps kam auf dem rechten Flügel durch, seine Eingabe stocherte Jakob Reichenbach beim Klärungsversuch zum 0:1 ins eigene Netz.
"Nichts passiert, Köpfe hoch", hallte es von der Rathenower Bank. Wo könnte der FSV stehen, wenn die Kicker immer so folgsam wären... Nur 60 Sekunden nach dem Rückstand flankte Karim Alisaleha von links hoch in den Strafraum. Der Kopfball von Marouan Zghal landete am Innenpfosten, Jamal Rogero stand da, wo ein Stürmer stehen muss und staubte zum 1:1 ab.
Was dann folgte, ließ die Zuschauer Regen, Kälte und Glühwein vergessen. Ausnahmsweise verlassen wir hier den Rahmen eines Spielberichts und beschränken uns auf eine chronologische Aufzählung.
30. Minute: Alisaleha im Strafraum gelegt - kein Elfmeter. 31. Minute: Jamal Rogero frei - Außennetz. 32. Minute: Marouan Zghal auf Matt-Brahan Zie, der alleine auf Torhüter Mateusz Mika zuläuft - daneben. 33. Minute: Rogero alleine vor dem Keeper - drüber. 39. Minute: Alisaleha links freigespielt - gehalten. 45. Minute: Rogero zentral mit Seitfallzieher - vorbei.
Sechs wirklich klarste Gelegenheiten in fünfzehn Minuten, die nicht genutzt wurden. Aber zwischendrin gab es eine Aktion, die überhaupt nicht zwingend war und dennoch für das 2:1 sorgte. Mit ganz viel gutem Willen darf sich Marouan Zghal einen Assistpunkt anschreiben, obwohl sein geplanter Pass auf Abdul Karim Alisaleha viel zu lang geriet. Doch dann zögerte die GW-Defensive, während Torwart Mateusz Mika völlig unnötig ganz weit aus seinem Kasten rannte. Karim war schneller, umspielte Mika und schob den Ball zum 2:1 ins leere Tor.
Die Führung zur Pause war hochverdient und vom Ergebnis zu niedrig.
Der Auftakt zur zweiten Hälfte war noch ganz vielversprechend. Matt-Brahan Zie wurde bei einem Sturmlauf umgerissen. Nur eine Ermahnung! Schiedsrichter Tim Haubenschild sorgte für Proteste auf den Rängen und die richtige (oder sogar überhitzte) Betriebstemperatur der Akteure auf dem Platz.
Die Gäste hatten zweimal offensiv gewechselt, was sich alsbald bemerkbar machte. Florian Schulte setzte einen Kopfball knapp vorbei, kurz darauf hämmerte Tamino Marker das Leder ansatzlos ans Lattenkreuz.
Dann stellte sich Optik wieder besser auf den Grün-Weiß ein. Anrennende Gäste, konternde Rathenower, das liegt der Mannschaft ohnehin besser. Großchancen blieben lange rar, dafür hielt man aber auch Ahrensfelde weitgehend aus dem eigenen Sechzehner fern.
In der 73. Minute hatten die Fans den Torschrei schon auf den Lippen. Wieder war es ein Kopfball von Marouan Zghal, der sich von der Einstellung her deutlich verbessert zeigte. Mika konnte nicht mehr eingreifen, aber Robin Mannsfeld rettete auf der Linie.
Die Schlussphase war dann einfach nur noch hektisch. Viel Zeit bei Rot, ständiges Reklamieren bei Grün. Den negativen Höhepunkt gab es in der 89. Minute. Direkt an der Rathenower Trainerbank war der Ball ins Aus gerollt. Eine kleine Rangelei zwischen Co-Trainer Sven Ahlendorf und Ex-Profi Manuel Schmiedebach, seines Zeichens Co-Trainer, aber auch noch Spieler, bestrafte der Referee mit jeweils Gelb. Bei Optik war es die einzige Karte. Dumm gelaufen dagegen für Schmiedebach. Einige Aktionen zuvor hatte er sich, ebenfalls bei einem Einwurf, furchtbar aufgeregt, weil er zwei Meter zurückgehen sollte. Dafür war er bereits verwarnt woren, was in der Summe Gelb-Rot ergab.
Weit in der Nachspielzeit nochmals eine Möglichkeit für den FSV. Dreimal gab es die Schusschance, dreimal wurde sie nicht genutzt. Es war dann allerdings der letzte Aufreger, gleich darauf war Schluss und der so wichtige Erfolg gesichert.
Ingo Kahlisch: "Es war das erwartet schwere Spiel. Nach Anfangsproblemen haben wir uns gefangen und Chancen auf eine wesentlich höhere Führung erspielt. Nach hinten raus wurde es ein Kampfspiel, das wir meiner Meinung nach nicht unverdient gewonnen und damit drei ganz wichtige Punkte geholt haben."
RATHENOW: Hawwary –Nafilo, Reichenbach, Gerlach, Donner – Solak (82. Bateman), Xhaka – Zie (79. Lukanov), Zghal, Alisaleha (62. Vicente) – Rogero
AHRENSFELDE: Mika – Schöps, Bache (G), Eifler (46. Scheffler), Mannsfeld – Petschner (46. Samardzic/G), Goerlitz, Schulte (64. Schock Negrete), Marker (64. Schmiedebach/89. G/R) – Colaki, Gurklys (64. Kuhl)
TORE:
0:1 Eigentor (21. Jakob Reichenbach)
1:1 Jamal Rogero (22.)
2:1 Karim Alisaleha (37.)
62.
Jakob Reichenbach (21./Eigentor)