FSV OPTIK RATHENOW

Brandenburgischer Landespokalsieger 2013, 2014. Oberligameister 2015, 2018

REGIONALLIGA

ENDLICH DER ERSTE AUSWÄRTSPUNKT

Bei der VSG Altglienicke zeigt Optik eine bärenstarke erste Halbzeit, versiebt aber zu viele Chancen und muss sich am Ende mit einem 1:1 zufrieden geben.

"Wir müssen mit dem Punkt zufrieden sein" (Ingo Kahlisch) - "ein gerechtes Unentschieden, wegen der ersten Hälfte müssen wir mit dem Punkt zufrieden sein" (Andreas Zimmermann) - die Trainer waren sich weitgehend einig. Auch auf den spärlich besetzten Rängen wurde diskutiert, wobei in beiden Lagern sowohl Enttäuschung, als auch Erleichterung zu spüren war. Rein statistisch war es für Optik ein Erfolg: Im achten Anlauf gelang endlich der erste Auswärtstreffer und das erste Remis auf fremden Plätzen.

Etwas Bauchschmerzen hatte Ingo Kahlisch vorher schon. Sein Abwehrchef Emre Turan stellte sich zur Verfügung, stand ohne Training in der Startelf. Konnte das gutgehen? Nun, zumindest diese Sorge war unbegründet. "Emmo" hielt nicht nur die Defensive lange Zeit zusammen, er sorgte außerdem für das erste Auswärtstor des FSV in dieser Saison. Ein schöner Kopfball, nachdem Rathenows erste Ecke zunächst abgewehrt worden war und Benjamin Wilcke das Leder dann erneut in den Strafraum gebracht hatte.

Aber, dass es das Premierentor auf fremdem Geläuf war, dafür sorgte das sprichwörtliche Pech eines Tabellenletzten. Denn nach nicht einmal 120 Sekunden kam Caner Özcin infolge einer Kombination über rechts zum Schuss, knallte den Ball jedoch an den Pfosten.

Nach dem 0:1 kämpfte und spielte Optik konzentriert weiter. Bis zur Pause gab es mehr klare Gelegenheiten, als in den sieben Auswärtspartien zuvor insgesamt. Cüneyt Top rutschte haarscharf an einer Eingabe vorbei, dann verfehlte Süleyman Kapan das Tor bei einem Freistoß um wenige Zentimeter. Kurz darauf kam wieder Özcin in Schussposition. VSG-Kapitän Björn Brunnemann brachte ihn zu Fall, der Freistoßpfiff war klar. Schiedsrichter Steven Greif aus Westhausen wertete das Ganze aber zusätzlich als Notbremse und zog glatt Rot! Von der Tribüne schwer zu beurteilen, gab Trainer Zimmermann hinterher zu: "Kann man geben."

Während die neun verbliebenen Feldspieler total verunsichert wirkten, machte einer wohl das Spiel seines Lebens: Dan Twardzik, seines Zeichens Torhüter der Berliner. Nur mal die klarsten Sachen - Caner Özcin (24.), Shelby Printemps (26.), Cüneyt Top (28.), Süleyman Kapan aus der Distanz (31.), Jerome Leroy (35.), Shelby im Konter (38.). Wie gesagt, dabei handelte es sich nur um die wirklich hochkarätigen Gelegenheiten.

Zwischendurch muss aber eine Aktion der Gastgeber erwähnt werden. Nach nur 27 Minuten hatte Andreas Zimmermann die Faxen dicke und vollzog einen Doppelwechsel! Unter anderem brachte er auch Kevin Kahlert auf den Platz, und der brachte nach und nach erst einmal Ordnung in den wilden Abwehrhaufen der Berliner. Die hatten ihrerseits die letzte Möglichkeit vor dem Wechsel, als aus dem Gewühl heraus ein Kopfball an die Latte klatschte. Alles in allem eine richtig gute Halbzeit des FSV, nur das Ergebnis war viel zu niedrig.

Dass die Gastgeber heiß waren, sah man schon vor Wiederanpfiff. Minuten, bevor Unparteiische und Gästeakteure zurückkehrten, standen die Hauptstädter auf dem Rasen und feuerten sich gegeseitig an. Nun wurde Optik unter Druck gesetzt - aber wie. Hasan Pepic schoss freistehend vorbei, das war aber noch gar nichts gegen die Szene aus der 56. Minute. Nach einer scharfen Eingabe kam Kevin Kahlert, der mehr und mehr offensiv agierte, im Fünfmeterraum komplett allein an den Ball - und schoss vorbei.

In der Folgezeit hatte Altglienicke weiter mehr vom Spiel, klare Torchancen gab es allerdings nur wenige. Gegen Christian Skoda packte Bjarne Rogall einmal ordentlich zu. Kurios wurde es knapp 20 Minuten vor Schluss. Rathenow hatte Einwurf, als der Assistent auf der Gegenseite auf einmal aufgeregt mit seinem Winkelement fuchtelte. Zuerst wusste niemand warum, dann zeigte sich der "Übeltäter." Ein kleiner Fuchs hatte sich auf den Platz verirrt, unter lautem Jubel gelang es Christopher Quiring, ihn zu verscheuchen. "Seine beste Aktion heute", meinte ein Spötter.

Drei Minuten später gab es wieder einen Pfiff. Bei einer Massenversammlung im Strafraum lag plötzlich ein Berliner am Boden. Genau wie in Halberstadt, auch dort war er Spielleiter, ließ Referee Greif erst weiterlaufen und entschied dann nach einigem Zögern doch auf Elfmeter. Wie weit die Meinungen auseinandergingen, zeigt vielleicht der Fakt, dass mehrere Rathenower Zuschauer von einer vertretbaren Entscheidung sprachen, während ein Altglienicker Offizieller meinte: "Quatsch unser Stürmer ist doch in euren Akcakaya reingerannt." Am Ende war es egal, Benjamin Förster jagte das Leder hoch über die Latte.

Das konnte aber nicht verdecken, dass bei vielen Gästekickern wieder die Kraft zu Ende ging. Zu allem Übel verletzte sich ganz kurz nach dem verschossenen Strafstoß auch noch Caner Özcin. Und mit der fehlenden Kraft ließ ebenfalls die Cleverness nach. Denn als Murat Turhan längst zum Einwechseln bereitstand, schaffte es kein Rathenower, den Ball mal ins Aus zu spielen oder irgendwo im Mittelfeld eine Spielunterbrechung herbeizuführen. Mit Zehn gegen Zehn gelang Kevin Kahlert per Kopf das 1:1.

Die Schlussphase war wild. Die VSG wollte nun den Dreier, Optik allerdings auch. Ohne jede taktische Disziplin brachte jeder Angriff hüben wie drüben Gefahr, Hasan Pepic schoss aus spitzem Winkel eigensinnig Bjarne Rogall an, obwohl zentral zwei Mannschaftskameraden mitgelaufen waren. Murat Turhan zog in der mehr als fünfminütigen Nachspielzeit aus der Drehung ab, verfehlte das Ziel jedoch. So machten sich die nur 129 Zuschauer mit zwiespältigen Gefühlen auf den Weg nach Hause. Ähnlich ging es den Trainern...

Ingo Kahlisch: "Eine spannende Partie, in der wir zur Halbzeit mit zwei, drei Toren führen müssen. In der zweiten Hälfte können wir dann durchaus sogar verlieren. Ich denke, dass wir fußballerisch mithalten können, haben wir gezeigt. Nach hintenraus fehlte wieder die Kraft, daran müssen und werden wir im Winter gezielt arbeiten. Am Ende hätten wohl beide noch Tore machen können, in unserer Situation müssen wir dann auch mit dem Punkt zufrieden sein."

Andreas Zimmermann: "Die erste Halbzeit war unter aller Sau. Das war unglaublich, wir wussten, dass Rathenow hinten gut stehen will und konterstark ist. Spätestens nach dem Pfostenschuss nach zwei Minuten muss man dann doch wach werden! Dann kommt der Rückstand und dann Rot - ja, das kann man geben.
Wenn ich dann sehe, wie wir in der zweiten Halbzeit mit zehn Mann genau das machen, was wir von Anfang an wollten... Das Unentschieden ist gerecht, wir müssen wegen der ersten Halbzeit damit zufrieden sein. In der zweiten Hälfte war das moralisch, von denen, die auf dem Platz standen, okay. Wir werden ab morgen hart weiterarbeiten. Heute muss ich mich erst nochmal schütteln, mir das alles nochmal durch den Kopf gehen lassen."

Und wer immernoch überlegt, ob es ein Punktgewinn oder eine gefühlte Niederlage war, mit dem 1:1 hat der FSV Optik nun schon mal einen Punkt mehr auf der Habenseite, als nach der Hinrunde 2015/16, als man zuletzt in der Regionalliga dabei war.

Optik: Rogall - Adewumi (G), Turan, Bilbija, Wilcke (G) - Ortiz (62. Schack), Kapan - Printemps, Leroy (G), Top (60. Akcakaya) - Özcin (81. Turhan/G)

Tore:
0:1 Turan (13.)
1:1 Kahlert (81.)

Rot: Brunnemann (22.) Notbremse