FSV OPTIK RATHENOW

Brandenburgischer Landespokalsieger 2013, 2014

SPIELBERICHT

BITTERES POKALAUS IN BRANDENBURG

Der Pokal hat seine eigenen Gesetze - auch in Brandenburg. Und so ist die 1:2-Niederlage des FSV Optik Rathenow beim zwei Klassen tiefer spielenden FC Stahl eine eben dieser typischen Geschichten: mit einem haushoch überlegenen Favoriten und einem bis in die Haarspitzen motivierten Außenseiter, der mit den Zuschauern im Rücken über sich hinaus wächst und das scheinbar Unmögliche schafft...

Patrik Scholz gegen den Ex-Rathenower Lars Bauer

Der Pokal hat seine eigenen Gesetze - auch in Brandenburg. Und so ist die 1:2-Niederlage des FSV Optik Rathenow beim zwei Klassen tiefer spielenden FC Stahl eine eben dieser typischen Geschichten: mit einem haushoch überlegenen Favoriten und einem bis in die Haarspitzen motivierten Außenseiter, der mit den Zuschauern im Rücken über sich hinaus wächst und das scheinbar Unmögliche schafft...

Ingo Kahlisch wußte um die Schwere der Aufgabe und hatte deswegen am vergangenen Samstag den Gegner beim 5:1-Sieg in Nauen höchstpersönlich unter die Lupe genommen. Dass heute zum großen Teil trotzdem eher Spieler aus der zweiten Reihe zum Zuge kamen, war vor allem auf die kurze Regenerationsphase bis zum nächsten Punktspiel sowie verletzungsbedingte Ausfälle zurückzuführen.

Nichtsdestotrotz passte der zweite Anzug zunächst makellos. Belohnung einer souveränen Vorstellung in der Anfangspahse war die frühe Führung durch Kalan in der 8. Minute, der nach Vorarbeit von Scholz den Ball nur noch über die Linie schieben mußte. Auch danach drückende Überlegenheit des Oberligisten, aber fehlende Konsequenz, ja teilweise Überheblichkeit, vor dem Tor. "In den ersten zwanzig Minuten hätten wir eigentlich 2:0 oder 3:0 führen müssen", so Optiks Trainer.

Ein erster Knackpunkt dann in der 28. Minute, als der bis dahin sehr gute Jaballah verletzt ausgewechselt werden mußte. Stahl wurde nun immer mutiger und kam nach und nach auch zu Torchancen. Die beste vergab der auffälligste Brandenburger, Martin Kahl, als er nach gutem Solo an Sengespeick, der für Aydin ins Tor gerückt war, scheiterte. Trotzdem blieb der FSV die überlegene Mannschaft und hatte durch Scholz, Junior und vor allem Kalan noch ausreichend Gelegenheiten, das zweite Tor zu machen. Stattdessen durfte Kahl in der Nachspielzeit der ersten Hälfte ohne große Gegenwehr durch den Strafraum marschieren. Seine Rückgabe von der Grundlinie drückte Daniel Schimpf zum 1:1 über die Linie.

Direkt nach dem Wiederanpfiff fasst die erneute schnelle Optik-Führung, doch Juniors noch leicht abgefälschter Schuss ging haarscharf links vorbei. Dies war für einige Zeit die letzte gute Aktion des Oberligisten, denn von jetzt an ging im Rathenower Spiel fast alles schief. Mit Fehlpässen und schwachem Zweikampfverhalten wurde der Gastgeber zunehmend stark gemacht. Der ließ sich nicht lange bitten und startete immer wieder überfallartige Angriffe. Die klarste Torchance hatte Schimpf, als er mutterseelenallein vor dem Tor zum Abschluss kam. Doch mit einer sensationellen Parade lenkte Sengespeick den Ball noch entscheidend über die Latte.

Der Trainer reagierte, und brachte in der 63. Minute Matthias Kellner, der für Ordnung und Ruhe im Mittelfeld sorgen sollte. Doch nach nicht mal einer Minute gab "Kelle" das Signal "es geht nicht mehr" - Muskelfaserriss! Da Optiks Wechselkontingent bereits ausgeschöpft war, hieß es nun, eine halbe Stunde in Unterzahl gegen euphorisierte Gastgeber zu bestehen. Und hätte Kalan in der 65. Minute den mitgelaufenen Gündogdu gesehen, wäre wohl das 1:2 fällig gewesen. Stattdessen versuchte es der Angreifer selbst und scheiterte an Krüger im Tor.

In Überzahl kamen die Brandenburger nun zu einigen hochkarätigen Gelegenheiten. Die besten vereitelten Lettow und Delvalle jeweils auf der Torlinie. Doch in der 80. Minute war es soweit. Nach einem Ballverlust im Rathenower Mittelfeld und abermaliger Vorarbeit über die linke Seite drückte Alexander Tarnow den Ball zum vielumjubelten 2:1 über die Linie. Kurz darauf scheiterte Kahl an Sengespeick. In den letzten fünf Minuten versuchte der FSV noch einmal alles, um in die Verlängerung zu kommen, doch weder Kalans Kopfball nach Flanke von Czarnofski (knapp neben den Pfosten), noch sein Versuch aus Nahdistanz, in den sich Krüger noch rechtzeitig warf, brachten die Wende.

So blieb es am Ende beim nicht unverdienten Brandenburger Sieg, den auch Ingo Kahlisch anerkannte: "Glückwunsch an den FC Stahl! Von unserer Leistung bin ich maßlos enttäuscht. Eigentlich hätten wir hier nach zwanzig Minuten 2:0 oder 3:0 führen müssen, aber wir schießen ja nicht auf's Tor. Und dann kommt natürlich alles zusammen - wie das halt im Fußball so ist. Einige Spieler bei uns haben keine Normalform erreicht, was natürlich immer mal passieren kann. Das werten wir aber intern aus."

Das Spiel aus Brandenburger Sicht: www.fc-stahl-brandenburg.de

Tore:
0:1 Kalan (8.)
1:1 Schimpf (45.)
2:1 Tarnow (80.)

Aufstellung: Sengespeick - Berger (63. Kellner), Delvalle, T. Lettow - Jahn, Zielke - Jaballah (28. Czarnofski), Kienle, Scholz - Junior (52. Gündogdu), Kalan