FSV OPTIK RATHENOW

Brandenburgischer Landespokalsieger 2013, 2014

OBERLIGA

ERST AM ENDE EINE KLARE SACHE

Optik gewinnt in einer unterhaltsamen Partie gegen den SV Altlüdersdorf am Ende deutlich mit 6:2.

Etwa eine Stunde vor dem Anpfiff setzte leichter Regen ein. Das mag den einen oder anderen Fußballfreund vom Besuch des Oberligaspieles zwischen dem FSV Optik Rathenow und Altlüdersdorf abgehalten haben. Dabei müsste es sich doch herumgesprochen haben - Optiks Heimspiele bieten stets ein Spektakel. So auch diesmal. Nach nicht immer hochklassigen, aber stets unterhaltsamen 90 Minuten stand ein 6:2 auf der Anzeigetafel.

Nach 20 Minuten hatten die Gastgeber schon 5:0 Ecken. Ins Netz getroffen hatten aber nur die Fußballer aus Gransee einmal. Viel zu sorglos agierte Rathenow am Anfang, vernachlässigte die Abwehrarbeit geradezu sträflich. Klar war es vorne schön anzusehen. Aber der in der Torjägerliste an der Spitzenposition stehende Murat Turhan, der ja ohnehin sechs Wochen hintereinander erfolglos war, traf mit seinem Kopfball nur die Latte. Im direkten Gegenzug zeigte Hassan Salhab, wie einfach Fußball sein kann. Ball angenommen, sich einmal um den Gegner gedreht, Ball geschossen - 0:1.

Optik schien verunsichert, Ingo Kahlisch sprach hinterher von einer Prise Überheblichkeit: "Wie lange haben wir nicht verloren? 21 oder 22 Mal? Da kannst du die ganze Woche reden und reden, das kriegst du nicht raus." Der FSV kam aber noch rechtzeitig in die Spur. Eine solche hatte wohl auch Dragan Erkic, der aus der eigenen Hälfte loszog, die gesamte Abwehr überrannte und auch noch überlegt zum 1:1 abschloss. Dieser Treffer alleine rechtfertigte schon das Eintrittsgeld.

Auf der anderen Seite hatte Hassan Salhab Glück, dass nur Erwachsene auf dem Platz standen. So eine Aktion bei den Bambinis - es hätten sich wohl alle im Kreis um ihn gestellt und ihn ausgelacht. Auf jeden Fall war es die am schlechtesten praktizierte Schwalbe des Jahres. Zwei erwähnenswerte Dinge gab es noch in Durchgang eins. Da wäre die Riesenchance für Semir Duljevic nach Zuckerpass vom wieder guten Suguru Watanabe. Und es kam auch noch der sechste Eckball. Und endlich, endlich traf er wieder. Die Erleichterung bei Murat Turhan 2:1 war wohl für jeden im Stadion zu spüren.

Beide Trainer wechselten zur Pause. Neben Süleyman Kapan brachte Ingo Kahlisch auch Jerome Leroy. Der etatmäßige Kapitän musste ja in der Vorwoche verletzt runter, konnte kaum trainieren. Für 90 Minuten reichte es nicht, aber in dieser zweiten Halbzeit war er einer der Auffälligsten auf dem Platz. Los ging es aber wieder mit Turhan. Kaum hatte der Lange sein Selbstvertrauen zurück, gab es das nächste Missgeschick. Nicht mal eine Minute war vorbei, da setzte er wieder einen Kopfball an das Aluminium, der Pfosten rettete für den SVA.

Der wurden dann in der 56. Minute ausgetrickst. Es gehört sich so, dass in der Gästekabine immer einige Programmhefte liegen. Im Interview mit Cihan Ucar ging es unter anderem um die Variante Freistoß Cihan, Kopfballtor Murat. Wie ist es anders zu erklären, dass kein einziger Altlüdersdorfer sich positionierte, als Jerome Leroy zur Ausführung schritt? Dem Toptorjäger war es egal, so freistehend köpfte er mühelos zum 3:1 ins Netz.

Das war noch lange nicht die Entscheidung. Zum eingangs erwähnten Spektakel trugen die Lila-Weißen gehörig bei. Zwei entscheidende Unterschiede: Erstens: Vorne war nur Salhab wirklich gefährlich. Der zweite Stürmer, Ricky Djan-Okai, hatte genau eine gefährlich Szene. Und das ist die passende Überleitung zum zweiten Punkt. Optik war am Samstag auf der Torhüterposition eindeutig besser als der Gegner. Sowohl gegen Djan-Okai von links, als auch gleich darauf gegen Hassan Salhab von rechts parierte Bjarne Rogall großartig. Und als Gransees bester Angreifer im Anschluss an den ersten Eckball im dritten Nachschuss doch zum 3:2-Anschlusstreffer erfolgreich war, schlug Rathenow sofort zurück. Das Tor von Süleyman Kapan zum 4:2 soll gar nicht schlecht geredet werden, die Schusshaltung war exzellent, aber ermöglicht wurde das ganze erst durch eine schlampige Fußabwehr von Keeper Younes Itri.

Eine Viertelstunde vor Schluss wurde es dreimal hintereinander aufregend. Einen Konter von Dragan Erkic unterband Ilhan Sariboga per Notbremse - so sah es aus. Nein, Ball gespielt, deutete Schiedsrichter Steffen Hösel an. Dragan beschwerte sich auch nicht, also alles korrekt, stark gemacht vom Verteidiger. Kaum 60 Sekunden später wieder Konter Erkic. Der Querpass auf Murat Turhan kam nicht an, sonst wäre das wohl schon die Entscheidung gewesen. Die fiel wiederum eine Minute darauf, aber alles andere als schön anzusehen, oder besser anzuhören. Nach einem Freistoßpfiff im Mittelfeld erhielt Burak Aktas glatt Rot. Nicht für das Foul, sondern für die nachfolgende Bemerkung. Mit "Schiri mach die Augen auf" begann der Satz, der Rest ist nicht druckreif.

Eine kuriose Aktion kam noch vor dem Rathenower Kasten zustande. Suguru Watanabe rutschte aus, fabrizierte einen Querschläger in den Lauf von Salhab, der offensichtlich so überrascht war, dass ihm genau das gleiche Missgeschick widerfuhr. Ganz zum Schluss fielen noch zwei Tore: Dragan Erkic traf nach Pass von Emre Turan zum 5:2 und Murat Turhan machte die 30-Treffer-Marke voll. Der Jubiläumstreffer war einer der leichteren, den Querpass von Kapan brauchte er nur noch über die Linie zu schieben.

Mike Frank: "Ein verdienter Sieg für Optik, wenn auch meiner Meinung nach zu hoch. Wir wollten wieder einen von oben ärgern, das ist uns am Anfang gut gelungen. 25 Minuten hatten wir alles im Griff, Optik ist nicht viel eingefallen. Danach kommt der Gegner mit einer tollen Einzelleistung zurück und geht dann verdient mit 2:1 in die Pause. Wir wollten in der zweiten Halbzeit noch mal richtig nach vorne, schaffen nach dem Gegentor auch den Anschluss. Aber unterm Strich bleibt, Rathenow hat die Qualität sofort wieder zurückzukommen. Es hat heute nicht so geklappt, aber deshalb bricht für uns keine Welt zusammen."

Ingo Kahlisch: "Ich muss erst mal durchatmen. Obwohl wir 6:2 gewonnen haben, gab es viele Sachen, die mir nicht gefallen haben. Immer wieder gibt es diese Viertelstunde, in der wir nicht bereit sind! Im Lauf des Spiels haben wir uns allerdings gestrafft. Wenn die Maschine erst mal läuft, wenn jeder den Schritt mehr macht, dann haben wir durchaus Qualität. Aber in der ersten Halbzeit, dieses Klein-Klein, das geht mir auf den Kranz. Man muss natürlich auch sagen, die Gäste haben hier sehr ordentlich gespielt. Und noch etwas, ich mache das ja sonst nicht, aber heute muss ich Jerome loben, wie der in der zweiten Hälfte das Spiel an sich gezogen hat, das war schon gut."

RATHENOW: Rogall - Watanabe, Ringhof, Turan, Langner - Ucar (G), Lindau (46. Leroy/G) - Wilcke, Duljevic (46. Kapan), Erkic - Turhan

ALTLÜDERSDORF: Itri (G)- Sidorowicz, Owczarek, Stoeter, Aktas Aktas (78. Rote Karte, Schiedsrichterbeleidigung) - Sariboga, Michajlov (G/78. Saatci), Hegert, Marten (46. Cicek/G) - Djan-Okai (82. M. Moldenhauer), Salhab (G)

TORE:
0:1 Salhab (9.)
1:1 Erkic (31.)
2:1 Turhan (38.)
3:1 Turhan (56.)
3:2 Salhab (66.)
4:2 Kapan (67.)
5:2 Erkic (88.)
6:2 Turhan (89.)