FSV OPTIK RATHENOW

Brandenburgischer Landespokalsieger 2013, 2014

OBERLIGA

ERLEICHTERUNG AM VOGELGESANG

Dragan Erkic schießt Optik zum späten 2:1-Sieg und entfacht Jubelstürme am Vogelgesang.

"Der Fußballgott war heute Rathenower", meinte Ingo Kahlisch. "Stehste unten, haste Pech!" so sein Kollege Patrick Schlüter. Beide meinten das selbe hochdramatische Spiel zwischen dem FSV Optik und Grün-Weiß Brieselang, das die Gastgeber in der Nachspielzeit mit 2:1 für sich entschieden.

Wie angekündigt fielen Marcus Stachnik und Semir Duljevic aus, dafür kehrte Julian Ringhof in die Startformation zurück. In dieser befand sich überraschend auch Dragan Erkic, nach seinem K.O. am Dienstag zwar noch als Blauäuglein, aber 93 Minuten später auch als Matchwinner. Bei den Gästen war der Ex-Rathenower Rico Liedtke "incognito" dabei. Nach einer Gesichtsverletzung mehrere Wochen außer Gefecht, wollte er gegen den ehemaligen Verein unbedingt mitwirken und lief als Maskenmann auf.

Los ging es, jedenfalls für die FSV-Anhänger unter den gut 300 Zuschauern, in die falsche Richtung. Optik hatte wohl eine Mauertaktik des Neulings erwartet und wirkte hinten komplett durcheinander. Christopher Lemke alleine durch - Bjarne Rogall pariert, Lenny Stein per Kopf - 0:1, Niklas Jordanov frei auf das Tor zulaufend - vorbei. Das waren die Möglichkeiten der ersten acht Minuten! Andersherum ging es erstmals nach einer knappen Viertelstunde. Aber wie - Freistoss von halblinks, Dragan Erkic zirkelte den Ball wunderschön ins Dreiangel der Torwartecke. "Ich habe gesehen, dass er sich etwas Richtung Tormitte orientierte", meinte der Schütze später. Das Tor wirkte wie ein Fanal. Plötzlich gerieten die Osthavelländer gewaltig unter Druck. Erkic an das Außennetz, Emre Turan zentral genau auf den Keeper, Suguru Watanabe von halbrechts an einem Abwehrbein gescheitert, Murat Turhan Kopfball mit Glanzparade Eike Doht - alle Gelegenheiten aufzuzählen, würde den Rahmen des Berichtes sprengen. Kurz vor der Pause lag der Ball dann plötzlich im Netz des FSV Optik, da war aber zum Glück die Abseitsfahne oben.

Nach dem Wechsel änderte sich am Geschehen zunächst nichts, nur die Chancen wurden noch klarer. Lenny Stein wusste sich gegen Benjamin Wilcke nur durch ein Foul zu helfen. Das Ganze geschah im Strafraum, so zeigte Schiedsrichter Justin Weigt auch sofort auf den Elfmeterpunkt. Cihan Ucar, bislang alle Strafstöße verwandelnd, trat erneut an. Doht entschied sich für die richtige Ecke und rettete seinem Team das 1:1. Ein Schock für Optik, das wäre übertrieben, doch die Rathenower wirkten nun schon ein wenig verkrampft. Mit der Brechstange durch die Mitte, das war natürlich was für die robusten Kämpfer in der Grün-Weiß-Defensive.

Die bestand teilweise aus neun Akteuren, bis dann so etwa ab der 70. Minute bei den Gästen die Erkenntnis durchkam, das ja vielleicht sogar mehr drin ist, als ein Punkt. Ein schöner Doppelpass zwischen Filip Marciniak und Charlie Graf zwang Bjarne Rogall zu einer Rettungstat. Das selbe galt kurz darauf beim Konter von Niklas Jordanov. Wenn man dem FSV etwas zugute halten darf, dann den Kampfgeist. Hier war Jerome Leroy Vorbild. Unermüdlich rackerte der Kapitän, feuerte zudem seine Mitspieler an. Doch es war zum Verzweifeln. Bei Benny Wilckes Volleyschuss riss Eike Doht die Fäuste hoch, auch Jeromes Schuss parierte er.

Dann brachte Ingo Kahlisch Nicolas Krause. Der war heiß auf seinen Einsatz, so sehr, dass er beim Auflaufen direkt mit der Gelben Karte empfangen wurde. Der Grund: Süleyman Kapan war noch nicht ganz runter, für den Bruchteil einer Sekunde befanden sich zwölf Rathenower auf dem Platz. Irgendwie doof, die Partie war ja eh unterbrochen, aber regelkonform. Das galt nicht für die entscheidende Szene, an der Nico ebenfalls beteiligt war. Schon in der Nachspielzeit setzte er einem Pass hinterher, Torhüter Doht und Krause waren fast gleichzeitig am Leder, der Rathenower fiel und der Schiri pfiff. "Er war wirklich mit der Hand an meinem Fuß", erklärte der Stürmer lange nach dem Abpfiff. Also erneut Elfmeter. Wer würde nun antreten? Emre Turan, dachten jedenfalls alle. Aber Dragan Erkic nahm sich den Ball und haute ihn rein. "Nach so einem Freistoßtor war ich mir hundertprozentig sicher, das ich ihn reinmache. Ich wollte eigentlich schon den ersten Elfer schießen." So laut, wie nach diesem 2:1 war der Jubel schon lange nicht mehr am Vogelgesang. Schluss war allerdings immer noch nicht. In der 94. Minute gab es noch einen Freistoß. Die meisten Gästeakteure liefen gar nicht mehr zurück. Nico Krause sah den besser postierten Murat Turhan. Die Fans verbuchten es unter Geburtstagsnachwehen, jedenfalls schoss der Toptorjäger aus wenigen Metern über das leere Tor. Zum Ärgern blieb keine Zeit, denn unmittelbar darauf ertönte der Schlusspfiff.

Patrick Schlüter meinte: "Das war sehr, sehr frustrierend. Wir haben uns bis zur 92. Minute richtig reingehauen und stehen doch wieder mit leeren Händen da. Aber das spiegelt die letzten Wochen wieder, auch da gab es späte Gegentore. Wenn es optimal läuft, führen wir hier nach acht Minuten 3:0. Aber danach war Optik extrem gut, bis zu Halbzeit schafften wir keine Entlastung. Auch in der zweiten Hälfte hatte Optik mehr Spielanteile, aber wenn wir unsere drei, vier Kontermöglichkeiten besser ausspielen, können wir sogar als Sieger vom Platz gehen. Wir haben uns nun gegen beide Spitzenteams sehr teuer verkauft - aber stehste unten, haste Pech."

Ingo Kahlisch: Ich bin kein Prophet, aber das heute habe ich vorausgesehen. Ein Kompliment an die Gäste, die hier Super-Fußball gespielt haben. In welchem Heimspiel haben wir so viele Chancen zugelassen? Aber so ist das, wenn man keine Grundordnung hält, zu viel Räume lässt. Das war keine gute Leistung, heute war der Fußballgott bei Optik."

Rathenow: Rogall - Watanabe, Turan, Ringhof (V), Langner (V) - Ucar, Leroy - Wilcke, Kapan (80. Krause/V), Erkic - Turhan

BRIESELANG: Doht - Müller, Liedtke, Stein (V), Gastene (V) - Graf (V/80. Mahmutagic), Lemke (V) - Wenzel, Marciniak, Ramlow (46. Reichel) - Jordanov

TORE:
0:1 ( 4.) Stein
1:1 (14.) Erkic
2:1 (90.+1) Erkic (FE)