FSV OPTIK RATHENOW

Brandenburgischer Landespokalsieger 2013, 2014. Oberligameister 2015, 2018

REGIONALLIGA

HEIMSPIEL GEGEN FC CARL ZEISS JENA

Mit dem FC Carl Zeiss Jena kommt am Sonntag ein echtes Schwergewicht an den Vogelgesang.

Carl Zeiss Jena kann, solange kein Geographielehrer mitliest, durchaus als Derbygegner bezeichnet werden. Von der Distanz her trennen beide zwar etwas mehr als 250 Kilometer, aber dafür gehör(t)en sie zur selben Branche. Bei Kombinatsmeisterschaften feierten die Rathenower in Jena durchaus Achtungserfolge. Allerdings auf dem Kleinfeld.

Fußball hat in Jena eine lange Tradition. Tatsächlich gab es schon 1903 einen FK Carl Zeiss Jena. Der war anfangs ausschließlich Werksangehörigen vorbehalten. Als dieser Zwang aufgehoben wurde, begann eine sehr erfolgreiche Ära. In 32 Vorkriegsjahren wurden die Thüringer 16Mal Regionalmeister. 1956 gelang als SC Motor Jena der Aufstieg in die DDR-Oberliga. Dort gehörte man bis zur Wende zu den Spitzenclubs. Wieder unter dem Gründungsnamen Carl Zeiss antretend, gelangen drei Meistertitel, etliche Vizemeister und vier Pokalsiege.

Wie andere DDR-Clubs auch, überzeugte Jena vor allem im Europapokal der Pokalsieger. 1981 stand man gar im Finale. Im Endspiel von Düsseldorf unterlag Jena Dinamo Tbilissi mit 1:2. Dabei hätte das Abenteuer eigentlich schon in Runde eins zu Ende sein können. 0:3 verlor Zeiss beim AS Rom. In einem denkwürdigen Rückspiel, das die Fernsehgucker der DDR zur "Sendung des Jahres" wählten, wurde der italienische Spitzenclub mit 4:0 überrannt.

Als einer von wenigen Ostvereinen kam der FC Carl Zeiss unbeschadet durch die Wendewirren. Fünfter und Achter, so die Platzierungen in der 2. Bundesliga. Der erste Abstieg wurde schnell wieder korrigiert. Zwar folgten auch in Thüringen magere Jahre, aber 2006 stand der Club wieder in Liga Zwei. Das hielt nur kurz, doch bis 2012 spielte man noch Dritte Liga. Da will Jena unbedingt wieder hin und hat mit einem belgischen Großinvestor schon mal die nötigen finanziellen Mittel dazu. Zudem wurde das Konzept radikal umgestellt. Trainer Volkan Uluc setzt auf junge Akteure und scheint vom Vorstand auch Zeit für deren Entwicklung zu bekommen.

Und der Erfolg gibt den Verantwortlichen durchaus recht. Zwar gab es zuletzt nur ein mageres 0:0 gegen Budissa Bautzen und in Meuselwitz setzte es gar eine 0:2-Niederlage, doch alles in allem sind die Thüringer durchaus erfolgreich in die Saison gestartet, und das mit sehr sehenswertem Offensivfußball. Überstrahlt wurde natürlich alles vom verdienten 3:2-Erfolg gegen den Hamburger SV im DFB-Pokal. In der nächsten Pokalrunde kommt der VfB Stuttgart ins Stadion Ernst-Abbe-Sportfeld, das bereits seit Wochen ausverkauft ist.

Eine Besonderheit gibt es übrigens auf den Trikots des FC Carl Zeiss. Seit dem vergangenen Jahr ist die in Thüringen beheimatete und international erfolgreiche Heavy-Metal-Band "Heaven Shall Burn" Trikotsponsor beim FC. Wie der Rathnenower Hauptsponsor, die OHST AG, verzichtet auch Heaven Shall Burn auf das eigene Logo auf der Brust. Stattdessen prangt dort bei Auswärtsspielen das Logo der Umweltschutzorganisation "Sea Shepherd".

Die Bilanz gegen Jena (4 Niederlagen in den Saisons 1994/95 und 2012/13) konnte Optik in der Regionalliga-Saison 2013/14 etwas aufpolieren, als in Jena ein 2:2 glückte und im Rückspiel am Vogelgesang gar ein 4:1-Erfolg zu Buche stand, dessen sportlicher Wert - am allerletzten Spieltag und bei zwei Teams, für die sich die Saisonziele bereits eredigt hatten - allerdings nicht überschätzt werden sollte.

Aktuell sieht es beim FSV Optik personell nicht viel anders aus als in der vergangenen Woche, da die in Seelow vom Platz gestellten Marcus Stachnik und Jerome Leroy lediglich im Pokal gesperrt sind. Zudem kehrte mit Kwasi Boachie einer der beiden Verletzten ins Mannschaftstraining zurück. Nur Petrus Baldes kann momentan verletzungsbedingt nicht mitwirken. Mit der Moral vom Pokalspiel wird Rathenow am Sonntag versuchen, Zählbares am Vogelgesang zu behalten und setzt dabei auf zahlreiche und lautstarke Unterstützung der Zuschauer. Los geht es unter Leitung von Jens Klemm aus Gröditz um 13:30 Uhr.